Bastard kritisiert (& parodiert)

Eine ernst gemeinte Video-Kritik mit weniger ernstgemeinten Parodie-Elementen von Lutz Scharf und Daniel Brüning.

Veröffentlicht unter Video | Hinterlasse einen Kommentar

Audiokritik: Unter Nachbarn

Auch von mir gibt es noch eine Audiokritik zu “Unter Nachbarn”.

Veröffentlicht unter Audio | Hinterlasse einen Kommentar

Filmkritiken zu “Bastard” und “Unter Nachbarn”

Veröffentlicht unter Audio, Filmkritiken | Hinterlasse einen Kommentar

Streitgespräch zu “Unter Nachbarn”

Auch zu “Unter Nachbarn” haben wir uns zusammen gefunden, um über den Film zu diskutieren. Während Sarah Görlich und ich die Moderation übernommen haben, vertreten Martin Baier, Lutz Scharf, Daniel Brüning und Alexander Otto ihre Meinung.

Musik: Clock von Gianluca Bove (Album: Rainzed Ambient)

Creative Commons: Attribution-NonCommercial-ShareAlike 3.0 Unported (CC BY-NC-SA 3.0)

Veröffentlicht unter Streitgespräch | Hinterlasse einen Kommentar

Live Reportage – Kinofest Lünen

Um einen Einblick in die Atmosphäre des Kinofestes zu geben, habe ich den letzten Tag in einer Reportage festgehalten.

Veröffentlicht unter Reportage | Hinterlasse einen Kommentar

Manchmal ist eine schlechte Vergangenheit besser als gar keine

Ein kleiner Junge sucht in einem dunklen Kellergemäuer nach dem ihm versprochenem Geschenk. Kaum etwas ist zu erkennen und wer auch immer die Nachtsichtkamera hält, treibt Nikolas immer weiter die Gänge entlang. Die beiden kennen sich anscheinend, doch  schnell ist klar, dass das was hier passiert nichts Gutes sein kann und der Junge am besten sofort Richtung Ausgang laufen sollte. Das grünschwarze Bild lässt die angsterfüllten Augen riesig erscheinen, wenn Nikolas endlich versteht, dass die Tür die sich gerade schließt, geschlossen bleiben wird.

Der deutsche Film mag für vieles bekannt sein; romantische Komödien vielleicht oder diverse Kinderfilmreihen, doch für den Psychothriller wahrlich nicht.
Wenn in Carsten Ungers „Bastard“ aber schon gleich zu Beginn ein Teenager im Haus des verschwundenen Jungen steht, den Stoffhasen des Vermissten zur Hand nimmt und zur verzweifelten Mutter mit sadistischem Grinsen sagt „Hallo ich bin Fridolin. Mir ist so kalt und ich bin ganz allein“, dann ahnt man schon, dass hier ein perfides Spielchen mit den Figuren, aber auch den Zuschauern, getrieben werden wird.
Der Regisseur kreiert nicht nur genretypische Spannung, sondern erfüllt eben auch den „Psycho“ Faktor, indem er seine Bösen nicht bloß böse sein lässt, sondern durch emotionale Verkettungen und durchdachte Hintergründe, erst die Frage nach der Schuld überhaupt stellt.

Der dreizehnjährige Leon hat keine Identität mehr. Er legt seinen Namen ab, bezeichnet sich von nun an mehr nur noch als X und provoziert seine wohlhabenden Eltern wo er kann. Etwas stimmt mit dem Jungen nicht, soviel ist klar bevor man auch nur einen Satz von ihm hört. Mit dröhnender basslastiger Musik unterlegt, streift er eine leere Vorortsstraße entlang. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern –aber schon bald wird klar: der Junge hat einen Vereinsfreund entführt und plant, ihn noch vor dem Erreichen der Strafmündigkeit, in drei Tagen zu ermorden.
Die gleichaltrige Mathilda, hat wohl noch einen Namen und auch eine Herkunft, sicherlich aber wäre es ihr lieber, es wäre anders. Für ihre alkoholkranke Mutter muss sie die Pflegerolle übernehmen, um sich dann in ihren freien Minuten im Lolitalook an erwachsene Männer heranzumachen.
Zwar erscheinen die Kinder zunächst wie skrupellose Psychopathen, aber in kühlen, krassen Bildern und treffenden Dialogen wird klar, dass die Umstände ihnen kaum eine Chance gelassen haben. Sie lehnen sich auf, gegen Ungerechtigkeit, mangelnde Wärme und Isolation und suchen nach Aufmerksamkeit und Zuneigung mit Hilfe von Gewalt.

Den Höhepunkt der Grausamkeit inszeniert Unger nicht etwa durch blutige Folterbilder Nikolas‘, sondern dann, wenn er Mathilda und Leon dabei zeigt, wie sie sich parasitär in der Familie des Opfers einnisten. Nachdem Leon nämlich erfahren hat, dass die Familie in der er aufwuchs gar nicht die echte ist, sieht er sich im Recht seinen Platz, an der Seite seiner biologischen Mutter, einzufordern.
In diesen Szenen gelingt es Unger, eine eindrucksvoll bedrückende Stimmung zu erschaffen, die förmlich greifbar wird und nicht nur wegen der Thematik an Michael Hanekes „Funny Games“ erinnert. Die doch so unschuldigen Kindergesichter tragen auch hier eine grausame Kälte in sich, die für die hervorragende Besetzung „Bastards“ spricht und auch die harmlosesten Aktivitäten, wie der gemeinsame Besuch im Schwimmbad, werden zur Zerreißprobe.
Markus Krojer und allen voran Antonia Lingemann, die Leon und Mathilda darstellen, überzeugen mit fantastischen Leistungen und laufen einer Schauspielergröße wie Martina Gedeck, als vergleichsweiser nichtssagender  Kriminalpsychologin, stellenweise den Rang ab.

Auch wenn Ungers Geschichte an einigen Momenten als zu arg konstruiert erscheint, oder er es anscheinend mit der realistischen Darstellung einer derartigen polizeilichen Ermittlung nicht allzu ernst zu meinen schien; im Großen und Ganzen verblasst die Kritik vor allem dann, wenn man sich den wirklich fabelhaften Stil des Filmes anschaut. Mit untypischen Einstellungen und durchdachter Farbsättigung wird die allgemeine Stimmung des Filmes nicht nur unterstützt, sondern erst komplementiert.
Unger zieht sicherlich eine Gesellschaftskritik -   so viel ist klar. Auch bleibt er nicht, wie Haneke, konsequent und bis zum Ende grausam, sondern moralisiert seine Figuren bis zur endgültigen Absolution.  Und dennoch erreicht er, dass sein Erstlingsfilm, einen ganz eigenständigen Stil hat, der seine Geschichte beflügelt und Mängel ausbügelt.
Ein Film der ernüchtert; der sich vor unangenehmen Szenen nicht scheut, sondern sie zelebriert. Mit Jungschauspielern die ihre Rollen verstanden zu haben scheinen und einer wundervollen Art und Weise Thematiken nicht komplett aufzudröseln, sondern manchmal einfach nur die Bilder sprechen zu lassen.

Veröffentlicht unter Text | 5 Kommentare

Zwischen Schuld, Sühne und Welsen – Filmkritik zu „Unter Nachbarn“

Eine Sekunde kann ein ganzes Leben verändern. David (Maxim Mehmet), Journalist, zieht in die Provinz und arbeitet dort bei der Südwestzeitung. Als Neuer sucht er in seiner Umgebung Bekanntschaft und klingelt bei seinem Nachbarn Robert (Charly Hübner) an, von dem er sich Werkzeug leiht, um einen Schrank aufzubauen. Nach dem ersten Kontakt keimt zwischen den beiden Männern vorsichtig eine Freundschaft auf. Um das Eis weiter zu brechen, schlägt David den Besuch einer Tanzkneipe vor; dieser endet jedoch in einer Katastrophe: der junge Journalist kramt beim Autofahren in seinem Handschuhfach herum – nur für einen kurzen Moment schweift sein Blick von der Fahrbahn ab – und prompt überfährt er eine Frau auf dem Fahrrad. Unter Schock stehend, lässt er sich von Robert dazu überreden, vom Tatort zu fliehen. David leidet unter schweren Gewissensbissen, Robert aber überzeugt ihn, sich nicht der Polizei zu stellen; stattdessen machen die beiden Männer einen Angelausflug und fangen Welse. Roberts perfider Plan: er will seinen neuen Freund mit einem falschen Alibi an sich binden – er will ihn ‚besitzen‘.

Schnell trifft  David die Ironie des Schicksals: bei der Südwestzeitung wird er von dem Chefredakteur beauftragt, einen Artikel über seine eigene Fahrerflucht zu schreiben. Bei der Pressekonferenz trifft er dann auf die Schwester des Opfers, Vanessa (Petra Schmidt-Schaller); langsam entwickelt sich zwischen den beiden eine Liebesbeziehung. Das macht Robert, der ein psychopathisches Verständnis von Freundschaft hat, wütend. Denn der eigenbrötlerische Nachbar teilt nicht gerne …

Regisseur Stephan Rick, der schon u.a. bei den Fernsehserien „Allein gegen die Zeit“ und „Die Pfefferkörner“ Regie führte, präsentiert mit „Unter Nachbarn“ seinen ersten Langfilm. Es ist ein souveräner Psychothriller mit fintenreich gesäter Krimispannung von überraschend hoher Qualität geworden. Der Plot ist originell, gut durchdacht und nimmt schnell Fahrt auf. Die Musik sorgt für Spannungsbögen und lässt regelmäßig den Blutdruck des Zuschauers in die Höhe schnellen. Zu Recht erhielt Stefan Schulzki bei dem Filmfest Lünen den Preis für die beste Filmmusik.

Bei den Figuren ist Robert als besonders gelungen hervorzuheben. Charlie Hübner, den man als Ermittler Bukow aus der ARD-Krimiserie „Polizeiruf 110“ kennt und der auch im Rakete-Gewinnerfilm „Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“ mitspielte, ist brillant in seiner Rolle als manipulativer und exzentrischer ‚Freund‘. Stellenweise erinnert er an Hannibal Lecter. Ein Blick, den er von der Leinwand wirft, lässt den Zuschauer frösteln. Wie eine Schwarze Witwe webt er sein tödliches Netz und je mehr David darin herum zappelt, desto stärker verheddert er sich darin, bis es schließlich kein Entrinnen mehr für ihn gibt.

„Unter Nachbarn“ erinnert in seinem Grundschema stark an „Der talentierte Mr. Ripley“, da es auch hier um die Beziehung zwischen zwei Männern geht, jedoch ist die homosexuelle Komponente bei Stephan Rick nicht so evident (die einzige Szene, in der man sexuellen Inhalt hineinlesen könnte, ist, wenn David sich mit einem Angelhaken in den Finger sticht und Robert die Wunde daraufhin in den Mund nimmt, um sie zu desinfizieren). Es geht in diesem Film vielmehr um Freundschaft, die krankhafte Obsessionen annehmen kann.

„Ich bin nicht gut in Freundschaften“, gesteht Robert ein. Zumindest verfügt der Mann über eine gesunde Selbstreflexion.

Veröffentlicht unter Text | 5 Kommentare